Archiv der Kategorie: Gedichte

Zuckerdosen mit Goldrand,
und Jungmadamsen an Tischchen,
sitzen an der Abrisswand.
Auf Omas Sesseln in beige Velours,
drei Herren mit Bart, einsam, ein bisschen.
wünschen sich was und träumen nur.
Suchende Blicke,
Käsensahnestücke.
Die Damen ignorant.
Tragen schwarze Mappen,
und Start-Up-Gedanken.
Ein neues Wasser mit Soda?
Viel Capital-Venture, oder?
Gestrickte Pullis,
Gezückte Kulis.
Auf Sofas mit Fransen dran.
grübeln überm Businessplan.
Also, nee!
Dann geht der Mann.

Fastenzeit

Jeder macht ja jetzt Diät,
von morgens früh bis abends spät.
Denn nach dem leberfetten Treiben,
versucht nun standhaft man zu bleiben,
darbt an Zucker, Fett und Kohlhydraten,
Ethanol und manch’ Phosphaten,
ernährt sich nur von dicken Säften,
um Darm und Magen zu entkräften,
trinkt Smoothies, Tees und Detox-Suppen,
will schlank sein wie die Insta-Puppen.
Low-Fat, Low-Carb, Low-Saccharose,
es rutscht schon jetzt so manche Hose.
Heute vier und morgen drei,
stach, stach mit, und hier noch zwei!
Die Kilos purzeln munter,
immer weiter, weiter runter.
Alle diäten wie verrückt,
und sind vom Fasten ganz entzückt.
“Denn wer jetzt noch isst und trinkt,
der ist maßlos und der spinnt!
Bier, Genuss und Völlerei,
all‘ das ist uns Einerlei!“
Intoleranzen, Dünst-Rezepte,
füllen nun die Small-Talk-Sätze.
Böse Fette, ganz versteckte,
und erst die Stoffwechseleffekte!
Ganz Deutschland ist im Fastenfieber,
ach, Deutschland, dick bist du mir lieber!

 

Die Frauen werden jammernd und faltig.
die Männer resignieren still versunken.
Und Alkohol wird längst nicht mehr
nur zur Belustigung getrunken.

paris-bar002

Nackte Leiber, Brauntapete.
Ärsche und stand still and rot.
God is busy, Poprakete,
Kippi ist hier niemals tot.
Die Mücke singt.
Der Neger swingt.

Many Püppchen und Capote,
Romy kuckt mit strenger Miene,
Augusts Schildchen, wandvoll Tote.
kokett grinst Zigarettentrine.
Strange Adventures in Berlin,
da musste mit, da musste hin!

Gestern wieder spät gewesen,
in spreegolden Friedrichshain.
Serge lächelt unterm Tresen,
Gout de mar, ganz ungemein.
Je ne sais qoui.
Deux Eau de vie!

Neben mir sitzt Toni,
Erdmann fliegt nach Tinseltown.
en face thront Vroni,
schlürft lila Muschelschaum.
Der blaue Fisch,
zum Russentisch.

Verrückt, verdreht, an der Decke
Dadacollage, Weltverkehr,
und vor der Toilette,
geht’s besonders heiß her.
Santé. Hip, hip, hurra,
Du altversaute Paris Bar!

 

es schopte der hauer,
es sörte gaard,
es zuckte der mayer,
es dürrte matt.

es gryphte der phius,
es klopte stock,
es sternte der morgen,
es mayerte zuck.

es droste die hüls,
es grillte der parz,
es endet hier alles
als ringel mit natz.

Im neuen Jahr soll es gelingen,
will meine Fehler nun bezwingen.
Ein Prost auf’s „Ich“, wie’s früher war,
ein neuer Mensch im neuen Jahr!

Doch nach den Weihnachtsfeiertagen,
muss ich mich mit den Steuern plagen,
so wird vertragt auf Februar,
der Vorsatz aus dem Januar.

Der Februar ist ach so trist,
dass noch kein Platz für Neues ist.
In diesem neblig Trüben, Nassen,
lässt beileibe kein Entschluss sich fassen!

Wenn erst der März schon wäre …
ach, mit ihm kommt Frühjahrsschwere.
Im April ist sie bezwungen,
doch wird das Haus nun abgewrungen.

Ah, da kommt der Mai,
der ist, wie immer, schnell vorbei.
Im Juni ist es viel zu schön,
um selbstkritisch in mich zu gehn’.

Der Juli, uff, welch große Hitze,
wo ich doch schon beim Nichtstun schwitze!
Nein, so lässt sich nichts kreieren
und auch der Vorsatz muss pausieren.

Im August fang ich sodann,
noch mal ganz von vorne an.
Und just bei dem Gedanken,
gerät mein Vorsatz ganz ins Wanken.

Endlich! Der September bricht herein!
Ich will nun ehrlich mit mir sein,
doch überfällt mich in dieser Situation,
die erste Herbstdepression!

So wird er dann erneut verschoben,
um im Oktober zu geloben,
dass der Vorsatz im November,
noch Zeit hat bis Dezember.

Und am ersten Januar
werde ich getrost gewahr:
Es lässt sich jetzt und eben,
auch ohne Vorsatz sehr gut leben.

Was die Musen sind für die Artisten,
sind Möpse für die Cartoonisten.
Meine männlichen Kollegen,
mussten nur allein deswegen,
zu einer Mopszucht laufen,
um extra Möpse anzukaufen.
Ich mach‘ um Möpse kein Bohei,
ich hab‘ ja von Natur aus zwei!

Bob blies Blues beim Blaskonzert,
doch wie Bob Blues blies war’s verkehrt.
Bob blies den Blues stets viel zu flott,
und warf die Bluesband aus dem Trott.
Da drohte ihm der Dirigent,
mit Rauswurf aus dem Engagement.
doch Bob blies weiterhin gelassen,
da musste Bob die Band verlassen.
Da dachte Bob, so ist das Leben,
dann jazz ich eben!

Lieber Gott, bin sehr verwirrt,
heute durch die Welt geirrt,
jetzt lieg ich hier und überlege,
was ich am Abend zu dir bete.

Ob ich heute sündig war?
Ich gehe in mich, aber ja!
Ein bisschen Sünde jeden Tag,
damit man was zu beten hat:

Ich hab dem Fräulein Edeltraud,
beim Frühstück ihre Wurst geklaut.
Dem Fräulein Christel aus der Post,
hab ich zwei Marken weggemopst.

Im Aufzug kniff ich einfach so
Fräulein Plöntzke in den Po.
Mit Sekretärin Soundso,
knutschte ich zehn Minuten auf dem Klo.

Ich weiß, ich bin ganz fürchterlich,
schäme mich erbärmelich,
lieber Gott, ich war das nicht,
ich glaub, es war mein Über-Ich!

Es war einmal ne’ Krabbellaus,
die krabbelte ins Ohr bei Klaus,
Da fand sie reichlich Ohrenfett,
und dachte, ach, das ist ja nett!
Da blieb sie dann,
in etwa siebzig Jahre lang.
Vorgestern ist der Klaus gestorben,
und das Ohrenfett schmeckt jetzt verdorben.
Jetzt muss die Krabbellaus
wieder raus aus dem Klaus.
Die Laus geht heute nicht zur Ruh,
drum haltet schön die Ohren zu!